CMMI-Themen:
Practice Implementation Indicator Description (PIID)

In der Vorbereitung auf ein CMMI-Appraisal nach der Standardmethode SCAMPI wird der Appraisalleiter Sie nach einer strukturierten Beschreibung Ihrer Umsetzung der CMMI-Anforderungen fragen. Diese Beschreibung wird in der CMMI-Terminologie als Practice Implementation Indicator Description (PIID) bezeichnet und dient folgenden Zwecken:

Streng genommen wird die PIID bei einem Appraisal nicht unbedingt gefordert. Ist sie allerdings nicht vorhanden, dann wird das Appraisal dementsprechend länger und teurer werden.

Nach dieser Vorrede stellt sich die Frage, was eine PIID genau ist: Die PIID enthält pro CMMI-Praktik (bezogen auf die Praktiken im Umfang des Appraisal) Information, die die Umsetzung der Praktik belegen. Dies können durch die jeweilige Praktik erstellte Arbeitsergebnisse sein (früher als "direkte Artefakte" bezeichnet), oder auch Nebenergebnisse wie Protokolle, Freigabe- oder Abnahmeerklärungen oder Test- und Prüfberichte (früher als "indirekte Artefakte" bezeichnet).

Meist wird die PIID mit Werkzeugen wie einer Tabellenkalkulation, evtl. auch einer Textverarbeitung, erstellt, aber es gibt auch speziell dafür entwickelte Werkzeuge. Das genaue Format spricht man am besten mit dem Appraisalleiter ab, damit dieser die Einträge im Appraisal direkt weiterverarbeiten kann und sie nicht manuell übertragen muss. Der Appraisalleiter hat auch vom SEI eine Vorlage bekommen, die allerdings nicht verwendet werden muss.

Damit eine Praktik als umgesetzt und das entsprechende Prozessgebiet als erfüllt bewertet werden kann, muss u. A. ein solches Artefakt sowie eine mündliche Bestätigung für diese Praktik vorliegen. Dementsprechend sollte die Rubrik der Artefakte bis zum Readiness Review vollständig gefüllt sein. Die benötigten mündlichen Bestätigungen werden im Rahmen der Interviews während des Appraisal gesammelt.

In einem Appraisal wird die betrachtete Organisation am Beispiel von mehreren sogenannten "Basic Units" als repräsentativen Vertretern betrachtet, die jeweils den betrachteten Prozess durchführen. In der Entwicklung sind das in erster Linie Entwicklungsprojekte, bei CMMI-SVC geht es dabei um die Einheiten, die eine Dienstleistung erbringen. Im Fall der organisationsweiten Prozesse (siehe Prozessgebiete OPF, OPD etc.) handelt es sich bei der Basic Unit um die gesamte Organisation.

Damit benötigt man auch die genannten PIID-Informationen für jede dieser Basic Units.

In allen Fällen gilt, dass die Beschreibung kurz und knapp sein, die jeweils relevanten Dokumente bzw. Artefakte aber konkret benennen sollte (Dateiname, Titel, evtl. Erläuterungen). Diese Dokumente werden dem Appraisalteam zusammen mit der PIID geliefert.

Betrachtet das Appraisal den Reifegrad 3 Definiert, dann benötigt man auch eine Beschreibung der in der Organisation definierten Prozesse zur Umsetzung der einzelnen Prozessgebiete und Praktiken. In diesem Fall ist es meist empfehlenswert, dies nicht komplett bei der relevanten generischen Praktik GP 3.1 zu beschreiben, sondern eine zusätzliche Kategorie Richtlinien o.Ä. einzuführen, in der bei jeder Praktik diese definierten Prozesse, Richtlinien, Vorgaben, Vorlagen, Checklisten, etc. beschrieben werden, die für die Praktik auf Ebene der Organisation erstellt wurden. Wenn man diese Informationen dann auch den Projekten bzw. Basic Units bei der Erstellung ihrer PIIDs zur Verfügung stellt, dann haben diese gleich eine Hilfe zum besseren Verständnis dessen, was in der Praktik von CMMI gefordert wird.

Pro Praktik wird mindestens ein, aber nur in Ausnahmefällen mehr als zwei bis drei Artefakte benannt und geliefert werden. Dabei ist es völlig normal, wenn das gleiche Artefakt bei mehreren verschiedenen Praktiken benannt wird.

Noch ein wichtiger Hinweis: Es gibt viele Praktiken, die mehrere Teilforderungen beinhalten. Achten Sie darauf, dass diese durch die PIID vollständig abgedeckt werden. Insbesondere fordern viele Praktiken die Erstellung und Pflege ("establish and maintain" – Vorsicht: Im Namen der Praktik ist jeweils nur von "establish" die Rede) eines Ergebnisses. In diesem Fall muss also auch die Pflege des Ergebnisses nachgewiesen werden, beispielsweise durch eine Änderungshistorie, außerdem auch die Umsetzung und natürlich die Dokumentation.

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